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1. Juni 2014

Ägypten II

Einwohner: 80,72 Mio.

Sprachen: Modernes Hocharabisch, Ägyptisch-Arabisch, Nubisch, Siwi, Bedscha

Typische Namen: Ahmed, Mohammed, Hashem, Soraya, Yasmin, Maryam

Und Lebensbaum? Bezieht von hier z. B. Kamille, Süßholz und Zitronengras in Demeter-Qualität

Wüstenfuchs

Vor fast 40 Jahren hatte Ibrahim Abouleish den Plan gefasst, in Ägyp­ten etwas aufzubauen, von dem Natur und Mensch profitieren wür­den. Die Wüste fruchtbar zu machen und dabei Arbeitsplätze und damit eine Lebensgrundlage für viele Leute zu schaffen. Die für ihn einzig ein­leuchtende und nachhaltige Metho­de: biologisch-dynamischer Anbau, nach den Lehren Rudolf Steiners.

Was Abouleish erschaffen hat, konnten wir in den vergangenen Wochen bestau­nen: Kindergarten, Schule, Künstlerate­liers, Ärztezentrum, Obst- und Gemüse­anbau – die Sekem-Farm hat alles, was nötig ist, um ihre Mitarbeiter und deren Familien rundum zu versorgen.

Geweckt vom Ruf des Muezzins wachen wir langsam auf. Dass es noch vor Son­nenaufgang ist, spürt man auch an der Luft: Noch liegt die Kühle der Nacht über der Wüste, hier 50 Kilometer vor Kairo.

Von draußen hören wir Stimmen. Ara­bisch, aber auch Deutsch und Englisch werden auf der Farm gesprochen. Orient und Okzident treffen hier aufeinander, kommen doch von überall immer wie­der Menschen, um sich Sekem anzuse­hen oder hier zu arbeiten.

Nach dem morgendlichen Kampf mit dem Moskitonetz überm Bett (ja, auch in der Wüste gibt es Mücken) geht es zum Früh­stück und dann auf die Reise: Wir wollen sehen, wo unsere Kräuter im Wüstenbo­den wachsen.

Unser Weg führt vorbei an den Stal­lungen – und einem vertrauten Anblick: Schwarzbunte und Allgäuer Braunvieh – mit Hörnern, versteht sich. Gemächlich kauen sie ihr Grünfutter. Das hübsche Rindvieh ist nicht nur zum Streicheln da. Der Mist ist wichtiger Bestandteil der Kompostherstellung. Irgendwie muss die Wüste ja grün werden.

Hinter einer kleinen Mauer, unweit von Sekem, türmen sich Mist und Pflanzen­abfälle meterhoch, in Reihen, soweit das Auge reicht. Der Boden dazwischen ist von schöner dunkler Erde bedeckt. Hier entsteht Kompost für die 840 Hektar, die Sekem derzeit bewirtschaftet. Die Me­thode, nach der er hergestellt wird, spart viel CO2 ein. So viel, dass damit an ande­rer Stelle CO2 kompensiert werden kann. Mit dem Verkauf der Kompensationszer­tifikate werden wiederum klimafreund­liche Projekte rund um Sekem fi­nanziert.

Aber zurück zum Kompost: Mit seiner Hilfe sowie dem Einsatz von Demeter-Präpa­raten wie Hornmist wird der Boden na­türlich aufbereitet und die Pflanzen mit Nährstoffen versorgt. Welche Pflanzen sich für den Anbau im Wüstenklima eig­nen, wird auf Versuchsflächen in Adleya erprobt.

Mit Wasserflaschen ausgerüstet geht es im Jeep quer durch die Wüste. Genauer gesagt durch den ägyptischen Teil der Li­byschen Wüste, was wiederum ein klei­ner Teil der Sahara ist. Sprich: Gut 450 Ki­lometer und sieben Stunden Sand liegen vor uns. Er liegt in sanften Wellen an den Seiten der Straße und der – Schienen? Unser Straßenverlauf folgt immer wie­der einsamen Schienen, die sich durch den Wüstensand schlängeln. „Die füh­ren zur Mine in der Nähe der Oase. Dort wird Eisenerz abgebaut“, erklärt uns un­ser Fahrer Kalil. Was er uns leider auch erklärt, ist die hohe Unfallrate auf dieser Strecke: „Am Morgen liegt die Strecke im Nebel. Da es keine Abfahrten gibt, dieman verpassen könnte, ni­cken manche Fahrer ein.“ Erst vor kurzem sind hier fünf LKW ineinandergefahren.

Wir passieren unfallfrei die Ghurd Abu Muharrik, mit 500 km die längste Wan­derdüne der Welt. Auch sie ist auf Reisen: Neun Meter weit bewegt sie sich pro Jahr.

Wir sind etwas schneller und erreichen bald unser Ziel: die Oase Bahariyya. Hier baut Sekem für uns Kamille, Süßholz und Zitronengras an. Um die Felder frucht­bar zu machen, wurden Brunnen gebohrt und pro Hektar Land zehn Tonnen Kom­post eingearbeitet. Das Ergebnis ist so offensichtlich wie verblüffend: Der sorg­sam behandelte Wüstenboden lässt Kräu­ter und Gewürze dort wachsen, wo sonst kaum etwas wächst. Heute bleiben wir hier im gefühlten Niemands­land. Morgen geht es zurück nach Sekem.

Schweren Herzens müssen wir uns bald von Ägypten, Sekem und der Familie Abouleish ver­abschieden. Auf uns wartet ein neues Abenteuer: Vietnam. Wir wollen sehen, wo unser Sternanis herkommt. Und vielleicht eins der seltenen Siam- Krokodile entdecken. 

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