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10. Februar 2018

Bulgarien

Einwohner: 7,1 Millionen

Sprachen: Bulgarisch

Typische Namen: Vasil, Martin, Christo, Ileana, Hristina

Und Lebensbaum? Bekommt von hier Kiefernsprossen

Es ist Zeit, Indien zu verlassen. Tanz, Theater und Trubel sind zwar ein Fest für die Sinne, aber auch anstrengend. Wir verspüren Sehnsucht nach Ruhe und Erholung. Nach frischer Bergluft und harzigsüßem Nadelwaldgeruch. Wo findet man all das? In Bulgarien! Das dünnbesiedelte Land ist berühmt für seine abgelegenen, immergrünen Bergketten. Dort findet man besonders schöne, intensive Kiefernsprossen. Auf die Suche nach ihnen begeben wir uns gern. Denn was wäre unser feinherber „Wald & Kräuter“-Tee ohne sie?

Bulgarien

Mit dem Flieger geht es von Chennai über Katar Richtung Südosteuropa. Mit Nickerchen kriegen wir die 16 Stunden locker rum. Am Nachmittag kommen wir gut ausgeruht in Bulgariens Hauptstadt an. Sofia ist eine der ältesten Städte Europas und heute eine pulsierende Großstadt. Das wundert nicht, denn fast 70 Prozent der Gesamtbevölkerung Bulgariens leben hier. Die Metropole ist unbestrittener Dreh- und Angelpunkt Bulgariens.
Unsere Gastgeber, Martin und Polina, holen uns ab. Das Ehepaar bewirtschaftet einen Bio-Hof, neben Ackerbau und Viehzucht nennen sie auch eine Käserei ihr Eigen. Waldfrüchte, Pilze und Kiefernsprossen sammeln sie in ökologisch einwandfrei bewirtschafteten Schutzgebieten in ganz Bulgarien. Die lange Reise hat uns hungrig gemacht. Auf Martins und Polinas Hof erwarten uns zum Glück schon besondere Köstlichkeiten. Polinas hausgemachter Salamureno Sirene zum Beispiel: ein schnittfester Salzlakenkäse aus Kuh- und Ziegenmilch, der auf jeden bulgarischen Tisch gehört. Köstlich! Und auch den Kiefernsprossen kommen wir schon näher: in Form von Polinas Kiefernsprossenhonig. Der „Honig“ ist eigentlich ein dicker Sirup aus Kiefernsprossensud und karamellisiertem Zucker. Wir könnten ihn löffelweise essen. Polina benutzt ihn, um ihren Kräutertee zu süßen.

Am nächsten Morgen brechen wir früh auf. Bergluft und Nadelwaldgeruch warten auf uns. Wir wollen das Sammelgebiet für unsere Kiefernsprossen sehen. Die Reise verspricht abenteuerlich zu werden. Es geht schnurstracks gen Osten – an die Nordhänge des Balkans.

Die dreistündige Fahrt in den Nationalpark Zentralbalkan ist holprig und führt über steile Serpentinen. Erholung hatten wir uns anders vorgestellt, aber unsere Kiefernsprossen wachsen nun mal nicht überall. Im Hochgebirgswald angekommen, begrüßt uns der ersehnte Harzgeruch – herrlich. Dazu streift eine steife Brise durch die Wipfel – noch herrlicher!

Martin schwärmt von den robusten Kiefernwäldern. Kiefern haben Pfahlwurzelsysteme und erobern so fast jeden Boden. Ob steinig, moorig- matschig oder sandig – Kiefern sitzen fest und trotzen fast jedem Wetter. Die kontrollierte Wildsammlung der Sprossen beginnt im Frühjahr, wenn sich in den Spitzen der Kiefernzweige die Energie für das neue Wachstum ballt. Dann heißt es Handschuhe an, Sammelbeutel umgeschnallt und ab in die Wälder. Kiefernsprossen sammeln ist Handarbeit. Zum einen, weil so hoch oben in den Bergen keine großen Maschinen bewegt werden können, zum anderen zum Schutz der Bäume. Damit diese ungestört weiterwachsen können, wird nur jede fünfte Sprosse gepflückt und auch nur an den unteren Zweigen, die leicht erreichbar sind.

Durch ihre Harzigkeit sind die Sprossen übrigens leicht zu transportieren – nichts bröselt ab. Zwei bis drei Wochen liegen sie in einem gut belüfteten Gewächshaus zum Trocknen aus. Dann werden sie gereinigt und verpackt.

Der Ausflug in den Balkan hat uns geerdet und wir sind bereit, erholt weiterzuziehen. Besonders weit ist die Reise dieses Mal nicht. Unsere nächste Station: der Kosovo.

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