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1. März 2012

Darjeeling, Indien

Einwohner: 1,6 Mio. (West Bengal gesamt 91 Mio.)

Sprache: Hindi, Bengali, Nepali, Gorkha, Tibetisch, Englisch

Typische Namen: Baha, Lagan, Talib, Jagathi, Padma

Und Lebensbaum? Bezieht Darjeeling Schwarz- und Grüntees aus den Ambootia Teegärten

Wir haben das volle Abenteuer Indien gewagt. Rund 2.000 Kilometer Bahn und Busfahrt liegen hinter uns: von Sri Lanka zurück in Indiens warmen Süden und dann an der atemberaubenden Ostküste entlang bis ins trubelige Kolkata (Kalkutta). Von dort geht es Richtung Himalaya. Das gigantische Gebirge immer im Blick können wir unser Ziel gar nicht verfehlen. 

Darjeeling – der Name klingt wie Musik in den Ohren jedes Teekenners. Hier befindet sich die Wiege der legendärsten Tees der Welt. Sie haben die abgelegene Gegend am Fuße des Himalaya – eingeklemmt zwischen Bhutan und Nepal – weltberühmt gemacht. Wir wollen dort die Teegärten der Ambootia Tea Group besuchen, von der Lebensbaum seit 1997 exzellente Darjeeling-Tees bekommt.

Der Weg hinauf in diesen zerklüfteten Teil Indiens ist beschwerlich. Die letzten Meilen legen wir im Jeep-Taxi zurück. Das Gefährt kämpft sich tapfer die steilen Straßen hinauf und holpert von Schlagloch zu Schlagloch. Draußen wechseln sich Wälder, Felder, Ortschaften und die ersten Teebüsche ab. Neben der Straße verlaufen die Schienen der Darjeeling Himalayan Railway. Die kleine Bergbahn, Weltkulturerbe und im Volksmund Toy Train genannt, überwindet auf nur 86 km einen Höhenunterschied von 2.000 Metern. Sie brachte ab 1881 britische Kolonialherren von der heißen Küste zur Erholung in kühle Bergstädtchen. Die Engländer waren es auch, die den Darjeeling District wenige Jahrzehnte zuvor als Ort der Regeneration, aber auch als idealen Flecken für den Teeanbau entdeckt hatten. Der gedieh durch die Höhenlage und die relativ kühle Witterung zwar langsam, entwickelte jedoch sein legendäres Aroma: elegant, leicht, blumig. Bald transportierte der Toytrain nicht nur erschöpfte Briten den Berg hinauf, sondern auch den Tee den Berg hinunter in die Handelsmetropolen, von wo aus er die Welt eroberte.

Nach zwei Stunden Fahrt begrüßt uns Sanjay Bansal an der großen Pforte von Ambootia. 1851 gegründet gehört der Teegarten, nach dem die Tea Group benannt wurde, zu den ältesten im Darjeeling District. Seit 1994 wird er von Bansal nach Demeter-Richtlinien bewirtschaftet und hat es so aus schweren ökologischen und wirtschaftlichen Krisen geschafft. Wir schlendern durch eine Landschaft, die aussieht wie gemalt. Hüfthohe Teebüsche wechseln sich mit riesigen Schattenbäumen ab. Dazwischen Teepflückerinnen, für die Mitte Februar die Saison langsam beginnt. In Gruppen pflücken sie gekonnt und flink die Blattknospen samt den obersten beiden Blättern und werfen sie über die Schulter in Körbe auf ihrem Rücken. Dabei wird geplaudert und gelacht.

Ambootia ist schön, doch uns zieht es weiter. Zunächst nach Nordwesten in den Teegarten Nagri. Hier wächst Tee auf einer Höhe von 1.800 m zwischen Orchideen, süßen Orangenbäumen und Ingwer.

Von Nagri geht es Richtung Tiger Hill. Wir halten in Moondakotee. Heiliger Platz des Mondes heißt dieser Teegarten, in dem seit 1852 Tee kultiviert wird. Heute wie in allen Ambootia Teegärten natürlich Bio. Hier heißt es früh aufstehen für ein wunderbares Naturschauspiel: Die Sonne geht über dem höchsten Berg Indiens, dem Kangchenjunga, auf. Die schneebedeckten Weiten werden in kräftiges Orange getaucht. Selbst die Spitze des Mount Everest ist heute sichtbar.

Den majestätischen Anblick noch im Gemüt fahren wir höher hinauf, nach Happy Valley, dem zweithöchsten Teegarten im Darjeeling. Hier wächst auf 2.100 Metern allerfeinster Tee. Tee haben wir in jedem der Gärten probieren dürfen hier schmeckt er uns besonders gut. Die erhofften Panther haben wir leider nicht gesehen auf unseren Streifzügen, nur ein paar Tatzenspuren erinnern an ihre Existenz.

„Das Reisen führt uns zu uns zurück“, hat Albert Camus einmal gesagt. Wir haben Sehnsucht nach Freunden, Familie, Heimat und nehmen ihn wörtlich: Zu Ostern geht es nach Deutschland zurück. Kleine Reisepause. Wäsche waschen und Koffer neu packen, bevor wir uns aufmachen in die Heimat von Camus’ Vorfahren – Südfrankreich. Kräuter der Provence, wir kommen! 

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