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1. Juni 2015

Österreich

Einwohner: 8,5 Millionen

Sprache: österreichisches Deutsch

Typische Namen: Luisa, Felix, Luca, Anna, Michael

Und Lebensbaum? bekommt von hier Brennnesseln, Rotklee, Pfefferminze, Melisse, Anis-Ysop

Österreich

Wir waren fürs Erste lange genug auf fremden Kontinenten unterwegs, haben auf der Suche nach exotischen Pflanzen wie Sternanis, Lemon Myrtle oder Rooibos aller Herren Länder durchstreift. Pfefferminze, Melisse, Rotklee – das klingt doch nach Heimat. Fast. Es geht nach Oberösterreich. Für Nordlichter wie uns zwar noch nicht ganz unser Zuhause, aber immerhin.

Wir fliegen zunächst ins schöne Wien. Pferdekutschen, Kaffeehäuser, Sachertorte … Für romantisches Sehenswürdigkeiten- Abklappern fehlt uns allerdings die Zeit, denn bei unseren oberösterreichischen Anbaupartnern geht die Ernte los. Und das wollen wir nicht verpassen. Also ab ins Auto und los geht’s Richtung Böhmerwald.

Wo die Große und die Kleine Mühl gen Donau fließen und sich Fischotter und Luchs „Gute Nacht“ sagen, sind wir richtig: im Mühlviertel.

Hier, in der hügeligen Landschaft rund um Hirschbach, ist die Welt noch in Ordnung. Oder besser gesagt: wieder in Ordnung. Denn Anfang der 80er Jahre wurde es für die Landwirte der dünn besiedelten Region immer schwieriger, ihre Betriebe zu halten. Viehwirtschaft allein warf nicht mehr genug ab. 1986 schlossen sich daher einige mutige Pioniere zusammen und gründeten die Österreichische Bergkräutergenossenschaft. Der gemeinsame Verkauf von Bio-Bergkräutern sollte die Betriebe absichern. Und siehe da, der Plan war von Erfolg gekrönt: Dank der Einnahmen durch den Kräuteranbau konnten viele hauptberuflich Landwirte bleiben. Mehr Landwirte schlossen sichder Genossenschaft an. Heute sind es 38 Mitglieder. Und die „BioRegion Mühlviertel“ gehört europaweit zu den Regionen mit der höchsten Dichte an Biobauern: Über 50 % der oberösterreichischen Bio-Flächen sind im Mühlviertel.

Zwischen 500 und 900 Metern Höhe, in der hügeligen, unberührten Landschaft des Böhmerwaldmassivs, ist der  granithaltige Boden perfekt für den biologischen Kräuteranbau. Auf den durch die natürlichen Gegebenheiten meist kleinen Feldern ist dieses Unterfangen allerdings durchaus anspruchsvoll. Und von Handarbeit geprägt: Vor der Ernte müssen Beikräuter regelmäßig vorsichtig entfernt werden. „Bis zu 550 Arbeitsstunden steckt ein Biobauer in einen Hektar Land“, erklärt Karl Dirnberger, Geschäftsführer der Bergkräutergenossenschaft. „Zweibis dreimal im Jahr wird geerntet.“

So auch heute. Wir stehen am Rand eines Brennnessel-Feldes. Umgebaute Mähdrescher, sogenannte Mählader, schneiden die Kräuter und befördern sie in einen hohen Anhänger. Der Duft der geschnittenen Kräuter ist herb und frisch.

Zum Durchatmen und Genießen bleibt für die Kräuterbauern allerdings keine Zeit: „Mit der Ernte beginnt der Zeitdruck“, erklärt Herr Dirnberger. „Alles muss dann ganz schnell gehen: Um nicht an Qualität zu verlieren, müssen die Kräuter innerhalb von zwei Stunden in der Trocknung landen. Den Kräuterbauern
gehören sechs Trocknungsanlagen. Damit die Wege vom Feld zu den Anlagen nicht zu weit werden, sind sie in günstiger Entfernung zwischen den Höfen und Feldern verteilt.“

In den Trocknungsanlagen wird den Kräutern bei 38-40° C schonend die Feuchtigkeit entzogen. Der Vorgang dauert gut 24 Stunden. Da müssen wir nun nicht die ganze Zeit dabei sein, finden wir, und machen uns auf, das Mühlviertel zu erforschen. Wir wollen frische Luft schnappen und entscheiden uns für eine Wanderung. Wir nehmen den Steinbloßmauer- Weg. Steinbloßmauern heißen die hübsch gefleckten Mauern, aus denen im Mühlviertel – und nur hier – zahlreiche Höfe bestehen. Dafür wurden ganze Granitblöcke verbaut und nur die Zwischenräume verputzt – weil Kalk in dieser Gegend ein rares Gut war, Granit dagegen jedem zu Füßen lag.

Auf einem „Sofa“ aus Granitblöcken am Wegesrand, das aussieht, als hätten hier Riesen einen Rastplatz eingerichtet, setzen wir uns und genießen die Aussicht. Hier könnten wir wohl eine Weile bleiben. Allerdings ruft uns schon das Nachbarland: Ungarn. Wir bleiben auf Sisis Spuren und wollen wissen, wo unser feuriger Paprika herkommt.

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