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1. Oktober 2012

Québec, Kanada

Einwohner: ca. 8 Mio.

Sprache: Französisch (Amtssprache), Englisch

Typische Namen: Noémie, Amélie, Océane, Fridolé, Manfred, Thibeau, Aristide, Hervé

Und Lebensbaum? Bezieht von hier leuchtend rote Cranberrys.

Bär

Nach einem Zehn-Stunden-Flug über den Atlantik erreichen wir das größte Dorf der Welt: Kanada. Dieses Wort der Irokesen für „Siedlung“ schnappte der Entdecker Jacques Cartier 1535 am Sankt-Lorenz-Strom auf – und taufte damit das ganze Land. In der Provinz Québec beginnt unsere Reise auf den Spuren von süßem Gold, schwarzen Bären und roten Beeren.

In Montréal geht’s los. Die facettenreiche Provinzhauptstadt liegt auf der Île de Montréal zwischen dem Fluss Ottawa und dem Sankt-Lorenz-Strom. Die mitreißende Dynamik der Stadt ist geprägt von spannenden kulturellen Gegensätzen. Hier trifft die Alte Welt auf die Neue, die europäische auf die nordamerikanische. Québec ist die größte Provinz Kanadas – und die französischste: Über 80 Prozent der Einwohner geben die Sprache der alten Kolonialmacht als Muttersprache an. Zwar konnten wir unseren Wortschatz in der Provence auffrischen. Aber Französisch ist nicht gleich Französisch und wir sind froh, dass uns ein waschechter Québécois begleitet: Wir treffen Bâtiste, um uns mit ihm auf den Weg in die Wildnis zu machen. Wie wild es hier tatsächlich werden kann, lässt uns Bâtistes Ausrüstung erahnen: Beim Verstauen des Gepäcks auf der Ladefläche seines Pick-ups sehen wir ein Gewehr auf der Rückbank blitzen. „Nur zur Sicherheit“, beruhigt uns der bärtige Kanadier.

Wir folgen dem Chemin du Roy, der Königsstraße am Nordufer des Sankt-Lorenz- Stroms. Sie führt uns durch Dörfer, deren französische Wurzeln nicht zu übersehen sind. Liebevoll gepflegte Steinhäuser erzählen Geschichten aus den letzten 300 Jahren. Bei Trois-Rivières überqueren wir den Strom, der den Sonnenschein zum Abschied funkelnd zurückwirft.

Schon bald bestimmen tiefrote Felder die Landschaft. Wir sind im Centre-du-Québec, dem Herzen der Anbauregion für Cranberrys. Der saure Torfboden, der sonst wenig gedeihen lässt, gibt den Sträuchern alles, was sie brauchen.

Gerade rechtzeitig treffen wir im kleinen Örtchen Villeroy ein: Die Cranberry-Ernte beginnt. Sie ist ein wahrer Touristenmagnet. Kein Wunder, denn nicht jede Frucht schwimmt dem Bauern so einfach in den Sammelkorb: Um die Beeren von den niedrigen Sträuchern zu pflücken, werden die Felder gut 20 Zentimeter hoch unter Wasser gesetzt. Dann lösen spezielle Drescher die Cranberrys von den Zweigen. 

Vier kleine Luftkammern bewirken dabei, dass die reifen und saftigen Früchte unversehrt aufsteigen – ein sicheres Qualitätsmerkmal. Nun können Feldarbeiter die Oberfläche der leuchtenden Cranberry-Seen abschöpfen. Das Wasser wird in ein geschlossenes System zurückgeführt und zur nächsten Flutung in Reservoirs gespeichert.

Nicht nur die Ernte selbst zieht Besucher an: Das jährliche Erntefest, das Festival de la Canneberge, feiert die Beere in ihrer ganzen Vielfalt. Wir nutzen die Gelegenheit, traditionelle Gerichte wie Zitronenbrot mit Cranberrys zu probieren. Und natürlich darf bei den säuerlichen Beeren der allgegenwärtige Ahornsirup – das süße Gold Kanadas – nicht fehlen. Hm, lecker!

Zum Ende unserer Reise kommen wir sogar unserem Wunsch, einen der 70.000 Schwarzbären der Region zu sehen, ein Stück näher: Bâtiste nimmt uns mit in die wilde Wildnis. Das Gewehr geschultert, führt er uns durch das herbstliche Farbenspiel des Indian Summers. Im Nationalpark La Mauricie säumen flammende Rot- und leuchtende Gelbtöne unseren Wanderpfad. Das Unterholz knackt. Endlich, ein Bär!? Nein, eine Elchfamilie kreuzt unseren Weg und schreitet unbeeindruckt davon.

Durch die Luft hallt der Ruf der Schneegänse. Nicht weit von uns legen viele tausende von ihnen einen Zwischenstopp auf ihrer Reise ins Winterquartier ein. Aber der Aufbruch naht. Wie sie zieht es auch uns in wärmere Gefilde. Unser gemeinsames Flugziel: Mexiko

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