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1. November 2013

Südafrika

Einwohner: 51,81 Mio.

Sprachen: Afrikaans, Englisch, Süd-Ndebele, Xhosa, Zulu, Nord-Sotho, Sesotho, Setswana, Siswati, Tshivenda, Xitsonga

Typische Namen: Thabo, Luvuyo, Arnold, Grant, Ayanda, Thandeka, Megan, Tessa

Und Lebensbaum? Bezieht von hier kupferroten Rooibos- und Honeybushtee

Pinguine

So schön es auch war, Freunde und Familie wiederzusehen: Es zieht uns wieder in die Ferne. Genauer gesagt: nach Südafrika! Dort, abseits von Weihnachtsprinten, Christstollen und Dominosteinen, begeben wir uns zur Weihnachtszeit auf die Spuren eines kupferroten Tees, der nur hier zu finden ist – Rooibos, afrikaans für roter Busch.

Nach einer knapp 20-stündigen Anreise erwarten wir sehnlichst die Landung in Kapstadt. Allerdings trifft uns schon beim Ausstieg der Schlag. Und zwar in Form von trockener Luft und 40 Grad im Schatten. Während bei uns zu Hause der Winter Einzug hält, herrscht in Südafrika nämlich Sommer. Und Hochsaison!

Abgeholt werden wir von unserer Freundin Miriam. Sie ist seit langem in Kapstadt daheim und blickt wohlwollend auf die Touristenströme: potentielle Kunden für ihren Arbeitgeber, Nomad Adventure Tours. Auf geht es zum hübschen Atlantic Point Backpackers – ein Tipp von Miriam. Die Zeitumstellung beträgt nur eine Stunde. Mit Hitzekoller, aber ohne Jetlag erkunden wir gleich Kapstadt. „Für den richtigen Überblick über die Stadt muss man einfach auf den Tafelberg“, verkündet Miriam. Zum Glück liegt auf der Tafel heute kein „Tischtuch“, so nennt man es, wenn eine dichte Wolkendecke über dem Berg liegt.

Die Aussicht vom Tafelberg ist unglaublich. Hier oben treffen wir auf mutige Menschen, die eine andere Art des Abstiegs wählen – Abseiling steht hoch im Kurs –, und auf einen Mini-Verwandten des Elefanten: Die Dassies, auch Klippschliefer genannt, sehen ein bisschen aus wie Meerschwein-Murmeltiere und klettern ihren weichen Hufen zum Trotz in Büschen herum. Possierlich, aber mit ihren Möchtegern-Stoßzähnen auch zupackend, wenn sich Finger nähern.

Unversehrt mit der Seilbahn – Schweizer Fabrikat – wieder unten angekommen, schlendern wir durch die Long Street, vorbei an viktorianisch-schnörkelig verzierten Häusern. Wir gönnen uns einen letzten Drink auf der Dachterrasse des Penthouse on Long. Immerhin werden wir am nächsten Morgen um sieben Uhr abgeholt: Wir wollen in den Zederbergen nach dem roten Busch suchen.

Um sieben stehen wir pünktlich zur Abfahrt bereit. Damit sind wir in unserem Backpackers zwischen all den Surfern und Studenten um die Uhrzeit allein. Um acht Uhr stehen wir immer noch da und warten. Es ist kurz nach halb neun, als ein dunkelblauer VW Jetta vor uns hält. Pieter steigt aus und begrüßt uns so fröhlich, dass unser Groll schnell verfliegt. Europäische Zeitstandards zäh len nun mal nicht in Afrika.

Die 200-Kilometer-Fahrt ist schon ein kleines Abenteuer: Zwar ist die Straße gut ausgebaut, aber statt Fasanen sieht man hier Paviane, statt auf Igel zu achten, muss man für Schildkröten bremsen.

Schon bald tauchen vor uns riesige Sandsteinfelsen auf, bunt gestreift von Gelb bis Rostrot. Wir sind gespannt auf den Rooibos. Angesichts der Hitze, der Dürre und des steinig-staubigen Bodens kann man sich allerdings nur schwer vorstellen, dass hier überhaupt etwas wächst. Man sollte sich aber besser aufs Fahren konzentrieren, denn die Straßenführung ist nichts für schwache Nerven: links die Berge, rechts ein bedrohlich steiler Abhang. Als Warnung findet sich in der Tiefe das ein oder andere rostige Auto.

Kurz vor Clanwilliam, einem der ältesten Orte Afrikas, passieren wir große Ebenen, mal voller Orangenbäume, mal voller – Ginster? Bei genauerem Hinsehen erkennt man, dass es sich lediglich um einen entfernten Verwandten handelt: den Rooibos. Aber rot ist er nun wirklich nicht. Je höher wir kommen, desto kleiner und unwegsamer werden die Rooibosfelder. Pieter erklärt uns, dass wir rechtzeitig zur Ernte ankommen. Im Frühsommer legen die Sträucher eine Wachstumspause ein. Dann werden die jungen Zweige von Hand abgeschnitten, gebündelt und mit dem Eselskarren von den Feldern zum Verarbeiten gebracht – Trecker, wie auf den Ebenen, können hier nicht eingesetzt werden. Die Zweige werden maschinell geschnitten und in langen Reihen aufgehäuft. Die Fermentation durch eigene Feuchtigkeit bringt die rötlich braune Farbe. Nach einem Tag wird der Rooibos zum Trocknen ausgebreitet. Grüner Rooibos wird sofort getrocknet.

Spannend. Und schon geht es weiter: Miriam hat die Rückfahrt für uns mit einem ihrer Adventure Trucks, der sich gerade auf dem Weg von den Victoriafällen nach Kapstadt befindet, organisiert. In der Nähe von Citrusdal verbringen wir mit der Reisegruppe die Nacht. Der Blick auf die Berge raubt uns den Atem: Das orangerote Abendlicht bringt sie zum Leuchten! Allerdings nur kurz, denn die Nacht kommt hier schnell. Damit sich unsere weite Anreise auch lohnt, beschließen wir, bis nach Weihnachten zu bleiben. Miriam verspricht uns ein traditionelles Weihnachtspicknick am Strand – wir sind gespannt! Bis dahin bewundern wir die Straßen- und Schaufensterdekoration, inklusive Tannenbaum mit Wattebäuschen als Schnee. Auch wenn es den in Kapstadt zu Weihnachten wohl nie gegeben hat.

Im Anschluss wird uns unsere Reise nach Ägypten führen. Auf uns warten Pyramiden, Pharaonen – und Bio-Landbau mitten in der Wüste! 

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